Gänsehaut inklusive - Tanz AG in der Torwiesenschule

Karin Schuhmann

Am Anfang war es ein Projekt, dessen Initiatorin es auch für möglich hielt, dass es scheitern könnte: Kann es funktionieren, wenn jüngere Schüler – solche mit Behinderung und solche ohne – gemeinsam tanzen?

Inzwischen ist die von Karin Schuhmann ehrenamtlich initiierte Tanz AG an der Torwiesenschule im dritten Jahr und ein bei Kindern, Eltern und Lehrern sehr beliebter Bestandteil des inklusiven Schullebens: Jedes Jahr von Januar bis zur Sommerpause üben Kinder aus den Klassen 2 bis 4 einmal in der Woche kleine Stücke aus Tanz,  Gesang und Gebärden ein, die sie am Ende des Schuljahres aufführen.

Karin Schuhmann, die an der Ludwig Schlaich Akademie Deutsch für Heilerziehungs- und Altenpfleger unterrichtet, hat zwei Töchter, eine von ihnen ist geistig behindert. Beide besuchen sie die Torwiesenschule, mit der Karin Schuhmann „extrem zufrieden ist“, wie sie sagt.

Und weil sie selbst als Kind viel Musik machte und Ballettunterricht genoss, sah sie an der Torwiesenschule die Chance, eine inklusive Tanz AG anzubieten - in der aber nicht strenge Ballett-Regeln gelten, sondern viel Platz ist für kindliche Kreativität. Inzwischen gehören der Gruppe 16 Kinder an, darunter sechs Sonderschüler. „Es hat mich selbst erstaunt, wie gut das zusammengeht“, meint Karin Schuhmann, die einen wichtigen Grund für den Erfolg im inklusiven Schulkonzept sieht: „Die Kinder leben Inklusion jeden Tag, sie kennen sich sehr gut und gehen deshalb auch in unserer AG völlig selbstverständlich miteinander um.“ Die Regelschüler lassen sich beim Einstudieren der Tänze nicht ablenken oder irritieren, wenn eines der Kinder mit Behinderung mal aus der Reihe tanzt. „Im Gegenteil – sie übernehmen sogar von selbst Aufgaben, damit alles klappt.“

Trotzdem kann  Karin Schuhmann natürlich unmöglich 16 tanzende Kinder alleine durch die Nachmittagsstunde führen. Deshalb sind regelmäßig auch andere Mütter sowie eine Integrationskraft vom Schul-Hort zur Unterstützung dabei. „Ich durfte hier etwas ausprobieren und bin sehr glücklich, wie es sich entwickelt hat. Und auch Eltern sagen mir, dass sie Gänsehaut bekommen, wenn sie ihre Kinder tanzen sehen.“